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Wie werden Patientennotrufe zuverlässig ans Pflegepersonal übermittelt?

Patientennotrufe werden zuverlässig ans Pflegepersonal übermittelt, indem spezialisierte Schwesternrufsysteme mit der vorhandenen Kommunikationsinfrastruktur einer Einrichtung verbunden werden. Diese Systeme leiten Notrufsignale automatisch an die zuständigen Pflegekräfte weiter, entweder über kabelgebundene Installationen, DECT-Funknetze oder moderne IP-basierte Netzwerke. Die folgenden Abschnitte erläutern, wie diese Systeme technisch funktionieren, welche Endgeräte zum Einsatz kommen und was bei der Integration in bestehende Telefonanlagen zu beachten ist.

Welche Systeme übermitteln Patientennotrufe ans Pflegepersonal?

Patientennotrufe werden in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern über sogenannte Schwesternrufsysteme oder Patientenrufsysteme übermittelt. Diese Systeme erfassen ein Notrufsignal am Bett oder im Badezimmer des Patienten und leiten es gezielt an das zuständige Pflegepersonal weiter. Moderne Anlagen sind dabei vollständig in die IP-basierte Kommunikationsinfrastruktur der Einrichtung eingebunden.

Grundsätzlich lassen sich drei Systemtypen unterscheiden:

  • Kabelgebundene Anlagen: Klassische Systeme, bei denen jede Rufstelle physisch mit einer zentralen Steuereinheit verbunden ist. Sie gelten als besonders ausfallsicher, sind jedoch bei Umbauten aufwändig zu erweitern.
  • DECT-basierte Funksysteme: Drahtlose Lösungen, die über ein Funknetz im Gebäude kommunizieren. Sie bieten hohe Flexibilität und eignen sich besonders für Einrichtungen, in denen Pflegekräfte ständig in Bewegung sind.
  • IP-basierte Systeme: Moderne Anlagen, die das vorhandene IP-Netzwerk der Einrichtung nutzen und sich eng mit Telefonanlagen für Pflegeheime verbinden lassen. Sie ermöglichen eine zentrale Verwaltung und einfache Skalierung.

In der Praxis setzen viele Einrichtungen auf hybride Ansätze, bei denen kabelgebundene Rufstellen mit einer IP-basierten Signalverarbeitung kombiniert werden. Entscheidend ist, dass das gewählte System den einschlägigen Normen entspricht und im Ernstfall absolut zuverlässig funktioniert.

Wie funktioniert ein Schwesternrufsystem technisch?

Ein Schwesternrufsystem funktioniert technisch so, dass ein Patient durch Drücken einer Ruftaste ein Signal auslöst, das über das Netzwerk der Einrichtung an eine Zentrale oder direkt an ein Endgerät des Pflegepersonals weitergeleitet wird. Moderne IP-basierte Systeme nutzen dabei das SIP-Protokoll (Session Initiation Protocol), um Sprachverbindungen zwischen Rufstelle und Pflegekraft herzustellen.

Der technische Ablauf lässt sich in drei Phasen gliedern:

  1. Signalerfassung: Der Patient betätigt eine Ruftaste am Bett, im Bad oder über ein Handgerät. Das Signal wird sofort an die Steuereinheit übermittelt.
  2. Signalverarbeitung: Die zentrale Steuereinheit, häufig eine IP-Telefonanlage oder ein dedizierter Rufserver, priorisiert das Signal und ermittelt anhand der Raumkonfiguration die zuständige Pflegekraft.
  3. Alarmierung: Das Signal wird an das Endgerät der Pflegekraft weitergeleitet, begleitet von einer optischen Anzeige an der Rufstelle und gegebenenfalls an einem zentralen Tableau auf der Pflegestation.

Bei IP-basierten Systemen ist die Netzwerkqualität ein kritischer Faktor. Quality of Service (QoS), also die gezielte Priorisierung von Sprachdaten im Netzwerk, muss konfiguriert sein, damit Notrufsignale ohne Verzögerung durchgestellt werden. Als Faustregel gilt: Pro gleichzeitigem Gespräch werden etwa 100 kbit/s Bandbreite benötigt. Zusätzlich sollte das System mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) abgesichert sein, da IP-basierte Komponenten bei einem Stromausfall sonst nicht funktionieren.

Welche Endgeräte empfangen Patientennotrufe beim Pflegepersonal?

Pflegepersonal empfängt Patientennotrufe über verschiedene Endgeräte, je nach Systemaufbau und Anforderungen der Einrichtung. Am häufigsten kommen DECT-Handgeräte, IP-Tischtelefone auf der Pflegestation, Smartphones mit spezieller Software sowie zentrale Anzeigetableaus zum Einsatz.

Die gängigsten Endgeräte im Überblick:

  • DECT-Handgeräte: Kabellose Telefone, die Pflegekräfte bei sich tragen. Sie empfangen Notrufsignale direkt und ermöglichen eine sofortige Sprachverbindung mit dem Patienten. Ideal für mobile Einsatzkräfte auf großen Stationen.
  • Smartphones mit Pflege-App: Moderne Einrichtungen setzen zunehmend auf Standard-Smartphones, auf denen eine spezialisierte Kommunikations-App installiert ist. Diese Apps integrieren Schwesternruf, Telefonie und interne Kommunikation in einer Oberfläche.
  • IP-Tischtelefone: Auf Stützpunkten und Schwesternzimmern aufgestellte Festgeräte, die eingehende Notrufe anzeigen und eine geordnete Weiterleitung ermöglichen.
  • Anzeigetableaus: Optische Anzeigesysteme, die auf einem zentralen Bildschirm alle aktiven Notrufe mit Zimmernummer und Priorität darstellen. Sie dienen der Übersicht, ersetzen jedoch keine direkte Alarmierung.

Die Wahl des richtigen Endgeräts hängt von der Größe der Einrichtung, den Arbeitsprozessen des Pflegeteams und dem vorhandenen Netzwerk ab. Eine Beratung durch einen zertifizierten Fachhändler hilft dabei, die passende Kombination zu finden.

Was passiert, wenn ein Notruf nicht sofort angenommen wird?

Wenn ein Patientennotruf nicht sofort angenommen wird, löst ein normgerechtes Schwesternrufsystem automatisch eine Eskalationsroutine aus. Das bedeutet: Nach einer definierten Zeitspanne wird der Notruf an weitere Pflegekräfte oder an eine übergeordnete Stelle weitergeleitet, bis jemand reagiert. Kein Notruf darf unbeantwortet bleiben.

Typische Eskalationsstufen sind:

  1. Erstweiterleitung: Nach einer konfigurierbaren Wartezeit, beispielsweise 30 Sekunden, wird der Ruf automatisch an die nächste verfügbare Pflegekraft oder an eine Gruppe weitergeleitet.
  2. Stationsleitung: Bleibt der Ruf weiterhin unbeantwortet, eskaliert das System zur Stationsleitung oder einem Bereitschaftsdienst.
  3. Protokollierung: Jeder Notruf, jede Weiterleitung und jede Reaktionszeit wird im System protokolliert. Diese Aufzeichnungen sind wichtig für die Qualitätssicherung und im Haftungsfall.

Einige Systeme ermöglichen zusätzlich eine akustische und optische Verstärkung des Signals, wenn ein Notruf zu lange unbeantwortet bleibt, etwa durch ein lauteres Alarmsignal auf der Station. Die genaue Konfiguration dieser Eskalationsketten sollte gemeinsam mit dem Pflegeteam und dem Systemanbieter festgelegt werden.

Welche Anforderungen gelten für Notrufanlagen in Pflegeeinrichtungen?

Notrufanlagen in Pflegeeinrichtungen müssen in Deutschland die Anforderungen der DIN VDE 0834 erfüllen. Diese Norm regelt Planung, Errichtung und Betrieb von Rufanlagen in medizinisch genutzten Gebäuden und legt fest, welche Funktionen ein Schwesternrufsystem mindestens bieten muss, um den sicheren Betrieb zu gewährleisten.

Zu den zentralen Anforderungen gehören:

  • Notruffunktion im Bad: Jedes Patientenbad muss mit einer Notruftaste ausgestattet sein, die auch im Liegen oder Sitzen erreichbar ist.
  • Quittierung am Ort des Rufs: Das Pflegepersonal muss den Notruf direkt am Patientenzimmer bestätigen können, damit der Patient eine Rückmeldung erhält.
  • Ausfallsicherheit: Das System muss auch bei einem Netzstromausfall funktionieren. Eine USV oder eine Batteriepufferung ist daher normativ vorgeschrieben.
  • Priorisierung: Notrufe aus dem Bad müssen gegenüber einfachen Serviceanfragen priorisiert werden.
  • Protokollierung: Alle Ereignisse müssen revisionssicher gespeichert werden.

Darüber hinaus sind datenschutzrechtliche Anforderungen zu beachten. Systeme, die Patientendaten verarbeiten oder Sprachverbindungen aufzeichnen, müssen der DSGVO entsprechen. Serverstandorte innerhalb Deutschlands oder der EU bieten hier die größte Rechtssicherheit. Die Installation und Abnahme einer Notrufanlage sollte grundsätzlich durch einen zertifizierten Fachbetrieb erfolgen.

Wie lässt sich ein Patientenrufsystem in bestehende Telefonanlagen integrieren?

Ein Patientenrufsystem lässt sich in eine bestehende IP-Telefonanlage integrieren, indem die Rufanlage über standardisierte SIP-Schnittstellen mit der Telefonanlage verbunden wird. Auf diese Weise können Notrufe direkt auf die vorhandenen Endgeräte des Pflegepersonals geleitet werden, ohne dass eine separate Infrastruktur aufgebaut werden muss.

Die Integration gelingt in der Regel über folgende Wege:

  • SIP-Anbindung: Moderne Schwesternrufsysteme unterstützen das SIP-Protokoll und können als SIP-Endpunkt in eine vorhandene IP-Telefonanlage eingebunden werden. Notrufe erscheinen dann als reguläre Anrufe auf den Handgeräten des Pflegeteams.
  • CTI-Integration: Über Computer-Telephony-Integration (CTI) lassen sich Rufanlagen mit Pflegedokumentationssoftware oder Dienstplantools verbinden. So weiß das System automatisch, welche Pflegekraft gerade zuständig ist.
  • Gateway-Lösungen: Ältere kabelgebundene Rufanlagen können über analoge Adapter oder spezielle Gateways an eine moderne IP-Anlage angebunden werden, ohne dass die gesamte Rufinfrastruktur erneuert werden muss.

Bei der Integration ist auf eine saubere Netzwerktrennung zu achten. Empfehlenswert ist ein eigenes VLAN (Virtual Local Area Network) für die Notrufkommunikation, damit Signale auch bei hohem Netzwerkverkehr priorisiert übertragen werden. Verschlüsselung über TLS (Transport Layer Security) für die Signalisierung und SRTP (Secure Real-time Transport Protocol) für die Sprachübertragung schützen die Kommunikation vor unbefugtem Zugriff, was in einem sensiblen Umfeld wie der Pflege besonders wichtig ist.

Wie AGFEO die Pflegekommunikation unterstützt

Wir bei AGFEO bieten seit über 75 Jahren bewährte Telekommunikationslösungen, die sich auch in anspruchsvollen Umgebungen wie Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern zuverlässig einsetzen lassen. Unsere IP-Telefonanlagen der ES-Serie sowie unsere Cloud-Lösung HyperFonie bilden die kommunikative Grundlage, in die Schwesternrufsysteme über standardisierte SIP-Schnittstellen integriert werden können.

Was wir konkret für Pflegeeinrichtungen leisten:

  • SIP-fähige Telefonanlagen: Unsere ES-Serie unterstützt die direkte Anbindung von Patientenrufsystemen über SIP, sodass Notrufe auf DECT-Handgeräte, IP-Telefone oder Smartphones weitergeleitet werden können.
  • Skalierbarkeit: Unsere Systeme sind skalierbar von 3 bis 250 Benutzern und wachsen mit den Anforderungen der Einrichtung mit.
  • Datensouveränität: Entwicklung und Produktion erfolgen in Bielefeld, Server stehen in Deutschland und sind DSGVO-konform. Keine Daten fließen in Drittländer.
  • Ausfallsicherheit: Unsere Anlagen sind für den Betrieb mit USV ausgelegt und unterstützen QoS-Konfigurationen für priorisierte Sprachübertragung.
  • Fachhändler-Netzwerk: Beratung, Installation und Support erfolgen durch zertifizierte Fachhändler vor Ort, die die spezifischen Anforderungen von Pflegeeinrichtungen kennen.

Wenn Sie wissen möchten, wie sich eine AGFEO-Anlage in Ihre bestehende Infrastruktur integrieren lässt, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und lassen Sie sich von einem unserer zertifizierten Partner beraten.

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Niko Timm
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Veröffentlicht am:

4. August 2026