NIS2 im Unternehmensalltag: Was die Telefonanlage mit Cybersicherheit zu tun hat
Bei IT-Sicherheit denken viele Unternehmen zuerst an Firewalls, Virenscanner, E-Mail-Schutz oder sichere Passwörter. Die Telefonanlage wird dagegen häufig noch als separates System betrachtet.
Dabei ist sie längst ein Bestandteil der IT-Infrastruktur. Sie verarbeitet Verbindungs- und Kontaktdaten, verbindet Standorte und mobile Mitarbeiter und sorgt dafür, dass Kunden, Partner und Kollegen erreichbar bleiben.
Genau deshalb gehört auch die Unternehmenskommunikation in eine moderne Sicherheitsstrategie.
NIS2 betrifft mehr als klassische KRITIS-Unternehmen
Die Begriffe NIS2 und KRITIS werden häufig gemeinsam genannt, sind aber nicht gleichbedeutend.
KRITIS umfasst besonders wichtige Infrastrukturen, deren Ausfall erhebliche Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft haben könnte. NIS2 bezieht darüber hinaus deutlich mehr Unternehmen und Branchen in die Anforderungen an die Cybersicherheit ein.
Aber auch Unternehmen, die nicht unmittelbar unter NIS2 fallen, können betroffen sein – beispielsweise als Lieferant, Dienstleister oder Geschäftspartner einer regulierten Organisation.
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht einzelne Produkte, sondern ein systematisches Risikomanagement. Unternehmen müssen sich unter anderem mit Zugriffsschutz, Verschlüsselung, Sicherheitsupdates, Ausfallvorsorge und der Bewältigung von Sicherheitsvorfällen beschäftigen.
Und damit automatisch auch mit ihrer Telefonanlage.
Wie sicher ist die Kommunikation?
IP-basierte Telefonie überträgt Signalisierungsinformationen und Sprache über Datennetze. Deshalb sollten diese Daten nicht ungeschützt transportiert werden.
Bei der AGFEO HyperFonie Cloud sind verschlüsselte Verbindungen verpflichtend. Die Kommunikation zwischen unterstützten Endgeräten, Anwendungen und der Cloud-Plattform wird grundsätzlich verschlüsselt. Eine unverschlüsselte Verbindung ist nicht als alternative Betriebsart vorgesehen.
Auch die lokalen Kommunikationssysteme der ES- und HyperVoice-Serien unterstützen die verschlüsselte Übertragung von Signalisierung und Sprache. Bei On-Premises-Installationen hängt die Sicherheit jedoch stärker von der jeweiligen Infrastruktur und Konfiguration ab. Dazu gehören beispielsweise das Unternehmensnetzwerk, die eingesetzten Endgeräte und die fachgerechte Einrichtung durch den betreuenden Fachhandelspartner.
Cloud und On-Premises verfolgen damit unterschiedliche Konzepte, können aber beide Teil einer sicheren Kommunikationsarchitektur sein.

Zugangsschutz: Wer darf auf das System zugreifen?
Viele Cyberangriffe beginnen mit gestohlenen oder unsicheren Zugangsdaten.
Bei der HyperFonie erfolgt die Anmeldung über einen zentralen Identity Provider und moderne, tokenbasierte OAuth-Verfahren. Zusätzlich kann eine Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiviert werden. Neben den Anmeldedaten wird dann ein weiterer Faktor benötigt, beispielsweise ein Code aus einer Authenticator-App.
Bei den lokalen Systemen der ES- und HyperVoice-Serien stehen OAuth und Zwei-Faktor-Authentifizierung derzeit nicht zur Verfügung. Hier kommt es besonders auf starke individuelle Passwörter, eine klare Trennung von Benutzer- und Administrationszugängen sowie eine sichere Netzwerkinfrastruktur an.
Nicht jeder Mitarbeiter benötigt administrative Rechte. Auch bei der Telefonanlage sollte deshalb gelten: So viele Rechte wie nötig, aber so wenige wie möglich.
Sicherer App-Zugriff ohne eingehende Portfreigabe
Mobile Arbeit und Homeoffice erfordern den Zugriff auf Kommunikationsfunktionen außerhalb des Firmennetzwerks.
Bei der HyperFonie Cloud verbinden sich Telefone und Anwendungen ausschließlich verschlüsselt und direkt mit der Cloud-Plattform. Aber auch bei einer lokalen Telefonanlage muss dafür nicht die Firewall von außen erreichbar gemacht werden!
Unsere AGFEO Dashboard 2 App kann problemlos auch von unterwegs mit einer lokalen ES- oder HyperVoice-Anlage genutzt werden. Dafür stellt AGFEO einen RemoteApp-Dienst in der Cloud bereit.
Die Anlage baut dabei selbst eine ausgehende Verbindung zum AGFEO RemoteApp-Server auf. Auch die App verbindet sich mit diesem Dienst:
Dashboard App → AGFEO RemoteApp-Server ← ES-/HyperVoice-System
Für diesen Zugriff muss keine eingehende Portfreigabe zur Telefonanlage eingerichtet werden. Das reduziert die direkt aus dem Internet erreichbare Angriffsfläche.

Sicherheitsupdates gehören zum Betrieb
Sicherheit ist keine einmalige Produkteigenschaft. Neue Schwachstellen und veränderte Angriffsmethoden machen regelmäßige Aktualisierungen erforderlich.
Bei der HyperFonie wird die zentrale Cloud-Plattform durch AGFEO aktualisiert. Sicherheitsrelevante Anpassungen können dadurch zentral und direkt nach Verfügbarkeit bereitgestellt werden.
Bei lokalen ES- und HyperVoice-Systemen erfolgen Wartung und Updates über den betreuenden AGFEO Fachhandelspartner.
Firmwareupdates bringen dabei nicht nur neue Funktionen. Sie aktualisieren auch interne Softwarekomponenten und schließen bekannte Sicherheitslücken. Die regelmäßige Pflege der Telefonanlage sollte deshalb genauso selbstverständlich sein wie die Aktualisierung von Servern, Firewalls und Arbeitsplatzrechnern.
Auch Verfügbarkeit ist ein Sicherheitsziel
Cybersicherheit bedeutet nicht nur, Daten vor unbefugtem Zugriff zu schützen. Systeme müssen auch dann verfügbar sein, wenn sie gebraucht werden.
Fällt die Unternehmenskommunikation aus, sind möglicherweise Kunden, Mitarbeiter oder wichtige Ansprechpartner nicht mehr erreichbar. Im Ernstfall können sogar Melde- und Eskalationswege betroffen sein.
Unternehmen sollten deshalb prüfen:
- Welche Folgen hätte ein Ausfall der Telefonanlage?
- Gibt es alternative Rufziele und Kommunikationswege?
- Sind Zuständigkeiten für Störungen und Sicherheitsvorfälle festgelegt?
- Ist die Telefonanlage Bestandteil des Notfallkonzepts?
AGFEO Kommunikationssysteme bieten hierfür unterschiedliche Möglichkeiten. Rufprofile, Zeitsteuerungen, Kalenderfunktionen, alternative Rufziele und die mobile Nutzung können dabei helfen, Erreichbarkeit flexibel zu organisieren.
Sie ersetzen keinen vollständigen Notfallplan, können aber ein wichtiger Bestandteil davon sein.

Macht eine AGFEO Telefonanlage NIS2-konform?
Nein. NIS2-Konformität entsteht nicht durch ein einzelnes Produkt.
Sie ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Technik, Organisation, Verantwortlichkeiten, Dokumentation, Mitarbeiterschulungen und vorbereiteten Prozessen.
Eine moderne Kommunikationslösung kann Unternehmen jedoch dabei unterstützen, wichtige Sicherheitsziele umzusetzen. Dazu gehören:
- verschlüsselte Kommunikation
- geschützte Zugänge
- kontrollierte Berechtigungen
- sichere mobile Verbindungen
- regelmäßige Aktualisierungen
- flexible Erreichbarkeits- und Ausfallkonzepte
Mit der HyperFonie Cloud sowie den lokal betriebenen Systemen der ES- und HyperVoice-Serien bietet AGFEO unterschiedliche Ansätze für verschiedene Betriebs- und Sicherheitsanforderungen.
Fazit
NIS2 beginnt nicht in der Telefonanlage – macht aber auch vor ihr nicht halt.
Unternehmen sollten ihre Kommunikationslösung deshalb nicht nur nach Funktionen und Bedienkomfort beurteilen. Ebenso wichtig sind Verschlüsselung, Zugangsschutz, sichere Fernzugriffe, regelmäßige Updates und die Frage, wie die Erreichbarkeit bei Störungen aufrechterhalten werden kann.
Ob Cloud oder On-Premises die bessere Wahl ist, hängt von den Anforderungen des jeweiligen Unternehmens ab. Entscheidend ist, dass die Lösung fachgerecht geplant, sicher konfiguriert, regelmäßig gepflegt und in die gesamte IT-Sicherheitsstrategie eingebunden wird.
Hinweis: Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Einordnung und stellt keine rechtliche Beratung dar. Ob ein Unternehmen von NIS2 oder weiteren gesetzlichen Vorgaben betroffen ist, muss individuell geprüft werden.
Checkliste zu NIS2 und KRITIS Anpassungen der Telefonanlage
Was Unternehmen jetzt überprüfen sollten
Unabhängig von einer möglichen NIS2-Betroffenheit lohnt sich eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Kommunikationslösung:
- Werden Signalisierung und Sprachdaten verschlüsselt übertragen?
- Sind alle Systeme, Telefone und Anwendungen auf einem aktuellen Softwarestand?
- Ist eine regelmäßige Wartung verbindlich vereinbart?
- Werden sichere und individuelle Passwörter verwendet?
- Ist eine vorhandene Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiviert?
- Haben nur die notwendigen Personen administrative Rechte?
- Gibt es unnötige Portfreigaben oder direkt aus dem Internet erreichbare Dienste?
- Ist die Telefonanlage Bestandteil des IT-Sicherheits- und Notfallkonzepts?
- Sind Wartung, Zuständigkeiten und Reaktionswege verbindlich geregelt?
- Wurde die Konfiguration gemeinsam mit dem betreuenden Fachhandelspartner überprüft?
- Sind alternative Kommunikationswege für Störungen und Sicherheitsvorfälle festgelegt?
Die Antworten zeigen schnell, ob die Telefonanlage lediglich als Komfortsystem betrachtet wird – oder bereits als das behandelt wird, was sie tatsächlich ist: ein wichtiger Bestandteil der betrieblichen IT- und Kommunikationsinfrastruktur.
